Wettergläser in den Niederlanden.

Ein Wettergals (Donnerglas aus dem 18. Jahrhundert)



Es gibt eine kleine Gruppe von Barometern ohne Zeigerwerk, nämlich zu diejenigen, welche überhaupt nichts mehr mit Quecksilber zu tun und miteinander gemein haben, was deutlich auf Thermometereigenschaften hinweist. Das primitivste - und älteste - System ist das Donnerglas.

Die Bezeichnung Wetterglas ist bei diesem Typ besser angebracht, weil das abgebildete Instrument, das im Niederländischen donderglas heißt, die Benennung <Barometer> eigentlich nicht verdient. Ein Barometer ist schließlich ein Meßinstrument, und ein Meßinstrument kann nun einmal nicht auf eine Skalaeinteilung verzichten. Das Donnerglas läßt diese Skalaeinteilung nur allzu oft vermissen.

Die Wettergläser sind etwas typisch Niederländisches. Vor allem in den südlichen Niederlanden sind viele davon hergestellt worden. Vermutlich hat man damit schon im frühen 17. Jahrhundert begonnen, (1619). Seit damals steht - wie sich aus einem noch vorhandenen, aber unveröffentliche Dokument ergibt - unumstößlich fest, daß ein gewisser Ghijsbrecht de Donckere eine Art Wasserwetterglas erfunden und verkauft hat.


Der volle Text lautet in deutscher Übersetzung:



Actum XXsten Septembris 1619.

Es erschien Cornelia Oloffs, Hausfrau von Ghijsbrecht de Donclcere; Ingenieur Seiner Durchlauchtigsten Hoheit, und präsentierte dem Collegium ein gewisses Instrument, neuerdings von demselben ihrem Mann erfunden, genannt motus perpetuus, mit welchem man durch das Aufsteigen des Wassers täglich das Ungestüm des Wetters sehen kann, dagegen durch das Absinken des Wassers die Beruhigung des Wetters und durch das sehr hohe Ansteigen und Brodeln die bevorstehenden Stürme auf See. Und sind ihr als Honorar dreißig Gulden ausgehändigt worden.

Hierauf folgt die Art und Weise, wie man dasselbe Instrument handhaben muß. Um Wasser in das Glas zu Kriegen, muß man es in einen Trog tun und das Glas heieinsetzenmit seinem unteren Ende, und das Oberteil des Glases muß angewärmt werden. Sollte es vorkommen, daß das Glas zerbricht, so muß man ein anderes nehmen und es mit Zement unter dem Kupfer festmachen.

Obwohl nicht bekannt ist, wie der Apparat von de Donckere eigentlich genau ausgesehen hat, bedeutet das, daß bereits damals in den Niederlanden Wettervorhersagen mit einem Wasserwetterglas gemacht worden sein dürften, also mindestens ein Vierteljahrhundert, bevor Torricelli seinen Quecksilberversuch vorführte!

Jedenfalls ist nicht klar, wie das Wasserwetterglas von de Donckere genau ausgesehen hat. Es gibt wohl zwei echte Möglichkeiten. Die erste ist das Modell des soeben behandelten Donnerglases. Die zweite Möglichkeit ist, daß de Donekere durch eine Erfindung eines Zeitgenossen auf die Idee gekommen ist, z. B. durch das offene Thermometer von Sanctorius. Im letzten Satz in dem weiter oben angeführten Dokument ist nämlich die Rede vom Festmachen unter dem Kupfer, und Sanctorius' Thermometer muß auf einem Metallfuß gestanden haben. Auch ist es nicht unvorstellbar, daß etwa Cornelius Drebbels perpetuum mobile de Donckere inspiriert hat, obgleich Drebbels Erfindung überhaupt nicht als Gerät zur Wettervorhersage bekannt ist, das von de Donckere dagegen wohl. Einen zweiten Beweis dafür liefert ein Posten aus der Rechenschaftslegung der Freien Stadt Brügge über das Jahr 1621 (folio 108 verso, Nr. 5). Der Text lautet dort folgendermaßen:

Ghijsbrecht Donckere, Ingenieur Ihrer Hoheiten, die Summe in Höhe von vier Pfund, ihm vom Kollegium bewilligt und zugestellt in Anerkennung eines bestimmten Instruments, von ihm erfunden und dem Kollegium präsentiert und geschenkt, genannt perpetuus motus, das ohne jemandes Zutun immer bewegt und gelenkt wird, Tag und Nacht, indem es die Veränderungen des Wetters vorhersagt, es sei gut oder schlecht. .

Wie das Instrument auch immer ausgesehen haben mag, sicher ist zum mindesten, daß de Donckere wußte, daß damit Wettervorhersagen gemacht werden können! Deshalb kann - mit einigem Stolz - behauptet werden, daß man in den Niederlanden schon seit mehr als 350 Jahren wettervorhersagende Geräte kannte.

Das Donnerglas ist häufig in und um Lüttich hergestellt worden, wo bereits um das Jahr 1640 eine Glasindustrie zu wachsen und zu blühen begann. Die Donnergläser aus dem 17. Jahrhundert sind von schlanker Bauart, mit nur4 bis 6 cm Durchmesser. Die Schnauze verläuft dicht am Rand des Behälters entlang in die Höhe. Kennzeichnend sind die oft in farbigem Glas ausgeführten Verzierungen an den Seiten und auf der Schnauze. Diese Verzierungen erinnern an kleine Hahnenkämme, weshalb die Donnergläser auch Hahnenkämme genannt werden. Im 18. Jahrhundert beginnt der Behälter sich mehr und mehr zu erweitern. Er bekommt die Form einer Birne, und die Schnauze läuft nicht mehr so dicht am Behälter entlang. Im 19. Jahrhundert ist der Behälter kurz und dick geworden, und die Schnauze ähnelt weitgehend der einer Kaffeekanne. Die Verzierungen sind jetzt etwas einfacher. Feststeht, daß Donnergläser bis in unser Jahrhundert hinein angefertigt worden sind. Man sei also gewarnt. Längst nicht jedes Donnerglas ist von vornherein Hunderte von Jahren alt. Fälschungen kommen häufig vor.

Aus Bert Bolle, Alte Barometer


Donnerglas aus den Südniederlanden

 Anfang 18. Jahrhundert.  Auch Hahnenkamm genannt. Höhe 32 cm

Sammlung Rijksmuseum Lambert van Meerten, Delft
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
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